Schnellladesystem der S-Serie

Antti Rantanen from laturille.com

Review & test von Antti Rantanen (laturille.com

Wow!

Ich war noch nie so begeistert von einem Schnellladesystem wie von der S-Series von Kempower. Aber zuerst eine kurze Einführung:

Mit Hilfe von Schnellladestationen können Elektroautos auch lange Strecken in kurzer Zeit zurücklegen, doch angesichts der wachsenden Zahl von Elektroautos wird das Schnellladenetz bald an seine Grenzen stoßen. Große Hoffnungen werden in die Aufstellung neuer Schnellladestationen gesetzt. Die Praxis sieht jedoch anders aus. An finnischen Tankstellen ist meist nur eine einzige Schnellladestelle zu finden und bis zur nächsten Tankstelle können es durchaus einhundert Kilometer sein.

Seit den fast zwei Jahren, in denen ich ein Elektroauto fahre, ist das finnische Ladenetz in bemerkenswertem Tempo gewachsen, vor allem durch den Netzausbau an der Supermarktkette K-Lataus. K-Lataus hat über einhundert Schnellladestationen mit jeweils zwei Ladesäulen. Das gibt den Nutzern eine gewisse Sicherheit, aber reicht das wirklich aus? Wenn das Leistungsmodul einer Station ausfällt oder auch nur einige Funktionen plötzlich nicht mehr verfügbar sind, haben die Fahrer ein echtes Problem.

Dann gibt es noch die Tesla-Supercharger. Sie sind eine Sache für sich, bleiben aber Tesla-Fahrern vorbehalten – zumindest bisher. Was könnte also die Lösung sein?

Sie ist … modular!

Kempower hat sich ganz offensichtlich intensiv mit dem Thema Laden beschäftigt und die Probleme mit Ladestationen verbundenen Probleme genau unter die Lupe genommen. Ich hatte Gelegenheit, ihr Schnellladesystem der S-Serie auszuprobieren, das sich von allen anderen Schnellladestationen unterscheidet, die ich bisher gesehen habe – und zwar total. Der Unterschied zu den bekannten Schnellladestationen von ABB und Tritium ist enorm, da Kempower die Sache genau so gemacht hat, wie sie schon immer hätte gemacht werden sollen!

Viele Elektroautofahrer kennen die Herausforderungen beim Schnellladen, wie zum Beispiel:

  • Ladekabel zu kurz
  • Ungeeignet/ungünstig platzierte Schnellladestationen
  • Ladestation, Elektroauto und Auto-App geben keine Information zur Ladeleistung – warum?!
  • Es ist nur eine Schnellladestation vorhanden, und die ist belegt/kaputt
  • Das Auto wird nur langsam geladen – warum?
  • Die Ladestation wird von einem Auto mit Verbrennungsmotor blockiert

Dem Schnellladesystem der S-Serie von Kempower gelingt es, diese Herausforderungen zu meistern – und das völlig aus dem Nichts!

Modular? Ja, bitte!

Kempower S-series demo setup

Das Ladesystem der S-Serie besteht aus einem Ladeschrank und schlanken Satelliten mit dem besten Kabelmanagement, das ich bisher erlebt habe.

Die S-Serie von Kempower besteht aus einem Ladeschrank (Leistungseinheit) und Satelliten. An einem Ladeschrank können bis zu acht Ladestecker angeschlossen werden, und jeder Satellit kann mit einem oder zwei Ladeanschlüssen versehen sein. Das bedeutet, dass Sie beispielsweise vier Satellitensäulen mit je zwei Ladeanschlüssen oder acht Satellitensäulen mit je einem Ladeanschluss aufstellen können. Natürlich können Sie zum Beispiel vier Ladeschränke in einer Reihe aufstellen, sodass das Ladefeld mühelos verteilt und erweitert werden kann.

Die Satellitensäulen sind erstaunlich schlank, da sie nur die Steuerelektronik enthalten und deshalb nicht so viel Platz benötigen wie gewöhnliche Schnellladestationen. Das ermöglicht eine Installation an Stellen, die für eine herkömmliche Schnellladestation nicht groß genug sind.

Mikko Veikkolainen explaining Kempower power modules

Mikko Veikkolainen von Kempower präsentiert den modularen Aufbau des Ladeschranks.

Der Ladeschrank verfügt über ein Steuergerät, dynamisches Energiemanagement (optional) und Steckplätze für vier Leistungsmodule. Jedes Leistungsmodul verfügt über zwei 25-kW-Stromversorgungen, sodass insgesamt 200 kW Ladeleistung zur Verfügung stehen, wenn der Ladeschrank mit allen vier Leistungsmodulen ausgerüstet ist. Somit kann das System durch die Ergänzung von Leistungsmodulen, Satelliten und/oder Ladeschränken nach Bedarf erweitert werden. Die maximale Leistung des 200-kW-Ladeschranks kann auf ganz unterschiedliche Weise verteilt werden – z. B. die gesamten 200 kW an einen Ladestecker oder, wenn alle acht Ladestecker im Einsatz sind, mit 25 kW pro Stecker. Die Leistung mehrerer Ladeschränke kann nach Bedarf an alle Satelliten im Ladefeld verteilt werden. Wenn die Ladeleistung eines Autos abfällt, werden die Leistungsmodule für die Nutzung durch andere Autos freigegeben.

Extrem hohe Zuverlässigkeit für die Anbieter von Schnellladediensten – und die Fahrer

Das modulare Konzept bewältigt auch Geräteausfälle ohne Probleme. Wenn zum Beispiel die Stromquelle in einem Modul ausfällt, wird der Ladevorgang ganz normal fortgesetzt, indem die anderen Module einspringen. Benutzer, die ihr Auto aufladen, werden dies nicht einmal bemerken, da die Satelliten weiterhin Strom liefern. Ein geringfügiger Leistungsabfall um 25 kW im gesamten System wird den Benutzern wahrscheinlich gar nicht auffallen. Anders ausgedrückt sorgt der modulare Aufbau für eine extrem zuverlässige Schnellladung. Das ist eine nützliche Sache, vielen Dank!

 

Type2 and CCS2 (left), CHAdeMO and CCS2 (right)..

Typ 2 und CCS (links), CHAdeMO und CCS (rechts). Neben dem Schnellladen per CCS und CHAdeMO unterstützt die S-Serie von Kempower auch das mittelschnelle Laden per Typ 2. Die Satelliten können mit verschiedenen Kombinationen von Ladesteckern wie CCS + CHAdeMO, CCS + Typ 2 oder 2 x CCS ausgerüstet werden.

Die Herausforderung von Schnellladestationen besteht in ihrer Platzierung und in zu kurzen Ladekabeln

Kempower hat definitiv die Schwächen der bestehenden Schnellladestationen erforscht und die Sache auf die richtige Weise anders gemacht. Da Schnellladestationen oft ziemlich mächtig und groß sind, stellt ihre Platzierung eine Herausforderung dar, wobei zu kurze Ladekabel die richtige Platzierung nicht unbedingt einfacher machen. Vor allem, wenn sich der Ladeanschluss des Autos neben dem linken Vorderreifen befindet, was die Positionierung des Autos an der Ladestation schwierig, wenn nicht gar unmöglich machen kann.

Tesla being charged the “wrong way around”.

Ein Tesla wird „falsch herum“ geladen.

The cables reach up to 5 meters (16 feet)!

Die Kabel sind bis zu 5 Meter lang!

Das Kabelmanagement der Satellitensäulen wurde genau durchdacht und das Ergebnis ist wirklich funktional, flexibel und einfach zu handhaben! Die Kabel sind lang genug. Sie verlaufen direkt von der Seite des Satelliten innerhalb des Federaufbaus nach oben, sodass sich die Kabel nicht verheddern und nicht über den Boden schleifen. Somit bleibt kein Schmutz an ihnen hängen, der das Auto zerkratzen könnte. Auch wenn das Auto nicht ganz optimal geparkt werden kann, kann es trotzdem leicht aufgeladen werden – was z. B. ETron-, I-Pace- und Taycan-Fahrer auf jeden Fall zu schätzen wissen werden!

ETron is charging while the satellite pole with the CCS connector is on the right side of the car, the car charging port is on the left side and the car is parked left from the satellite pole. This trick does not work with a standard fast charger

Ein ETron wird aufgeladen. Dabei befindet sich die Satellitensäule mit dem CCS-Stecker auf der rechten Fahrzeugseite, der Ladeanschluss des Fahrzeugs befindet sich auf der linken Seite und das Fahrzeug ist auf der linken Seite der Satellitensäule geparkt. Dieser Trick funktioniert bei einer gewöhnlichen Schnellladestation nicht.

Die Benutzeroberfläche – eine echte Neuheit!

Die Benutzeroberfläche der Satellitenladesäule wird über einen 7″-Touchscreen mit eindeutigen Symbolen bedient, und die Textmenge ist auf ein Minimum reduziert. Die Authentifizierung erfolgt mit einem RFID-Tag, das System unterstützt aber auch Zahlungskarten (lokale Zahlung)! Anders als bei anderen Schnellladesystemen können die RFID-Authentifizierung und der Anschluss des Ladekabels in beliebiger Reihenfolge erfolgen, was den Ladevorgang supereinfach macht.

Das Display ist ständig eingeschaltet, sodass Sie jederzeit den Ladestatus und die Ladeleistung (Kilowatt) sehen können. Auf den ersten Blick kam mir die Benutzeroberfläche nicht wirklich außergewöhnlich vor, aber da hatte ich mich getäuscht! Die Ladekurve lässt sich mit wenigen Klicks anzeigen, was eine phantastische Funktion ist – das sollte bei jeder Schnellladestation Standard sein.

The charging pole satellite’s user interface operates on a 7″ touchscreen with clear icons

Auf dem Standardbildschirm wird der Ladestatus angezeigt (links). Ladeinformationen, Zeit und QR-Code (Mitte). Die Ladekurve ist eine besonders interessante Funktion! (rechts)

Und das ist noch nicht alles! Wenn der Ladevorgang beginnt, wird ein QR-Code auf dem Display eingeblendet – wozu der wohl gut ist? Durch einen schnellen Scan des QR-Codes wird eine Webseite mit Informationen zur Ladesitzung aufgerufen: Ladestatus des Akkus, Ladeleistung, geladene kWh und Ladekurve (die Kurve kommt in Kürze). Eine wahnsinnig praktische Funktion, vor allem, wenn Sie die fahrzeugeigene App nicht installiert haben oder die App keine Ladeleistung anzeigt – von der Ladekurve ganz zu schweigen!

By scanning the QR code, you can get the charging session information to your phone without installing any applications!

Durch Scannen des QR-Codes können Sie die Informationen zur Ladesitzung auf Ihrem Smartphone anzeigen, ohne irgendwelche Apps installieren zu müssen!

An der Seite der Satellitensäule befindet sich unterhalb des Ladekabels eine LED-Reihe. Die blauen LEDs zeigen deutlich den Ladestatus an – je mehr LEDs leuchten, desto voller der Akku. Die grünen LEDs zeigen an, dass die Ladestation frei ist, und die rote LED zeigt an, dass ein Fehler vorliegt.

Wenn die Ladeleistung niedriger ist als normal, kann das System dem Benutzer mitteilen, woran es liegt – an der Ladestation oder am Auto.

LEDs on the side of the satellite post

Ist der Akku leer oder voll? Sie sehen es auf einen Blick. LEDs an der Seite der Satellitensäule zeigen den Ladestatus an.

Die Ladepunkte sind gut sichtbar

Fast charging satellites post can also be seen from far away

Da die Satelliten dank des Kabelmanagements ziemlich hoch sind, sind sie auf einem Parkplatz auch von Weitem zu sehen. Darüber hinaus sind an den Satelliten reflektierende Streifen angebracht, sodass im Dunkeln die Autoscheinwerfer die Position der Ladesatelliten sichtbar machen – ganz abgesehen davon, dass der Bildschirm und die LED-Anzeigen ständig leuchten. Auch das ist wohldurchdacht.

Kosten eines Schnellladesystems

Hier geht es jetzt nicht um den genauen Eurobetrag, da ich mich mit den Preisen von Schnellladestationen überhaupt nicht auskenne, aber ich habe mal bei Kempower nachgefragt: Inwiefern unterscheidet sich die S-Serie preislich von ihren Mitbewerbern? Schließlich ist das System von Kempower komplexer als eine einzelne 50-kW-Schnellladestation. Aber wenn mehrere Schnellladestationen ins Spiel kommen, ist die S-Serie von Kempower bereits preislich wettbewerbsfähiger! Je mehr Leistungsmodule und Satelliten, desto geringer fällt der Preis pro Ladepunkt aus.

Elektroautos für Mitarbeiter

Kempower weiß, dass der Aufbau eines Ladesystems keine einfache Sache ist. Er erfordert Erfahrung mit verschiedenen Elektroautos sowie praktische Tests. Als Unternehmen verfügt Kempower über mehr als ein Dutzend Elektroautos, und mit langen Autoreihen auf dem Hof ist das Testen deutlich einfacher. Das ist die richtige Einstellung!

Ich gehe davon aus – und hoffe es wirklich –, dass das einzigartige und benutzerfreundliche modulare Ladesystem von Kempower sowohl in Finnland als auch auf der ganzen Welt ein Erfolg wird. Das System ist so überzeugend und wohldurchdacht, dass es für Ladedienstanbieter ein Muss ist! Ich bin sicher, dass es auf dem Markt gut ankommen wird.

Das Einzige, was mich an der S-Serie von Kempower ärgert, ist die Tatsache, dass sie in Finnland noch nicht im Einsatz ist! 😉

Ein besonderer Dank geht an Kempower und insbesondere Erik Kanerva, Mikko Veikkolainen und Juhana Enqvist dafür, dass ich das Schnellladesystem der S-Serie von Kempower testen durfte!

Es war äußerst interessant, die Produkte von Kempower kennenzulernen. Ich hoffe, dass ich zum Testen zukünftiger Systeme wieder vorbeikommen kann, und vor allem hoffe ich, dass diese benutzerfreundlichen Ladestationen bald in Finnland zu sehen sein werden.